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Lionsrock: Vierte Woche

In der vierten und letzten Woche in Lionsrock spielt vor allem die Routine. Der Abschied von den vielen Tieren fällt schlussendlich aber schwer, sind mir in den vier Wochen viele von ihnen ans Herz gewachsen.

Bereits bricht schon die letzte Woche meines Südafrika-Raubkatzen-Abenteuers an. Ich habe mich an die vielen Tätigkeiten und Abläufe schon längst gewohnt. Es kommt mir so vor, als wäre ich bereits eine halbe Ewigkeit hier. Natürlich – gegeben durch das zum Teil enge Zusammenarbeiten mit den Tierpflegern – kenne ich auch die meisten Arbeiter in Lionsrock unterdessen ziemlich gut.

Die Tierpfleger, die in Südafrika trotz ihrer Verantwortung eher arm sind und nicht viel verdienen, haben an meinen Fotos grosse Freude. Einige von ihnen haben immerhin ein altes Nokia-Handy, welches mit einer (aus meiner Sicht prähistorischen) Version von WhatsApp läuft. So kann ihnen eine Freude machen und ihnen das eine oder andere Foto oder Video per WhatsApp schicken. Vor allem die Videos, die die Tiger beim Spielen mit den neuen Bällen im Wasser zeigen, wollten sie unbedingt von mir bekommen.

Die vierte Woche stellte sich schlussendlich als Routine heraus. Es geschahen nicht wirklich aufregende oder wichtige Dinge. Doch dabei ist nicht zu unterschätzen, dass auch die eben nicht so wichtig erscheinenden Routineaufgaben für die Tiere äusserst notwendig und unverzichtbar sind. Ich verbringe die Woche also wie gewohnt mit dem Beobachten der „Spezialisten“ sowie mit dem Beschäftigen der Einzeltiere. Coda, der Tiger, kann meistens nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten und schafft es, mir jedes Mal beim Weitergehen ein schlechtes Gewissen zu machen. Wenn es nach ihm ginge, könnte er mich stundenlang anschleichen und „attackieren“ oder auch „nur“ mit mir dem Zaun entlang laufen. Andy, die ehemalige Fotolöwin, ist diese Woche nicht mehr so sehr darauf aus, am Tor gekrault zu werden. Sie scheint rollig und benimmt sich daher etwas anders als sonst. Tulani (das Leopardenweibchen) aber kommt bei jedem Besuch nach wie vor ans Gittertor und geniesst es, etwas Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch Mike (der wilde und scheue Leopard) erscheint regelmässig in meiner Nähe, auch wenn ich ihn schlussendlich nie berühren kann. Das geht für mich aber voll in Ordnung, ich fühle mich schon so geehrt, dass ich Mike auf so kurze Distanz nähern kann.

Der Donnerstag der letzten Woche ist erneut ein „Enrichment-Day“. Wir basteln nochmals einiges an Spielsachen für die Löwen, bringen vor allem aber auch den Tiger die neuen Bälle vorbei. Diese sind unterschiedlich an dem neuen „Ding“ in ihrem Pool interessiert. Während sogar der träge Martin dafür ins Wasser geht, will Ghandi partout keinen Fuss ins Wasser setzen. Und als wir den Ball schlussendlich neben dem Pool platzieren, liegt er auch bei meiner Abreise noch an demselben Ort…

Den letzten „Arbeitstag“ in Lionsrock ist für mich zum Abschluss nochmals ein Fütterungstag. Ich helfe wie gewohnt am Morgen beim Zubereiten der Fleischstücke und geniesse dann den restlichen Tag, nochmals alle Tiere zu sehen. Fütterungen sind immer interessant, weil dann einerseits die Tiere sehr aktiv sind, andererseits auch die etwas scheuen Tiere in die Nähe kommen. Obwohl ich am Sonntag nochmals allen Tieren einen kurzen Besuch abstatte, ist das die Gelegenheit, alle Tiere nochmals aus der Nähe zu sehen und teilweise ja auch mit ihnen zu interagieren.

Das letzte Wochenende in Lionsrock nehme ich sehr gemütlich. Während ich am Samstagmorgen doch noch mit den Hunden zu dem Drakensberg Viewpoint komme, gibt es am Mittag ein vom Staff organisierter „Abschied-Lunch“ – eine tolle Überraschung. Am Sonntag drehe ich zu Fuss eine Runde zu den Tieren, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Der Abschied fällt mir teilweise schon ziemlich schwer. Anschliessend begleite ich die Tierpfleger ein letztes Mal auf ihrer Kontrollrunde, bei welcher wir nochmals zu allen Gehegen fahren. Anschliessend ist für mich Packen angesagt.

Die Heimreise beginnt am Montagmorgen um 6 Uhr. Obwohl mein Flug erst um 19:30 Uhr am Abend geht, fahren wir bereits früh los. Es kommen am Vormittag zwei neue Volontäre an, und es macht natürlich keinen Sinn, zweimal von Lionsrock nach Johannesburg zu fahren (3 Std pro Weg…). Die Zeit am grossen Flughafen vergeht aber verhältnismässig rasch und ich fliege schon bald in Richtung Heimat. Mit im Gepäck habe ich viele tolle Erinnerungen und spannende Erlebnisse, tolle (Tier-)Freundschaften und die Vorfreude, im Dezember im Rahmen unserer Flitterwochen nochmals zwei Nächte in Lionsrock verbringen zu dürfen.

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